Die Lage in Karlsruhe

Politik-Podcast aus dem Gemeinderat

Staat am Limit?

Zwischen Haushaltskrise, christlichen Werten und zerrissener Gesellschaft. Mit Dr. Tim Breitkreuz.

30.04.2026 25 min

Zusammenfassung & Show Notes

Kommunen und Städte wie Karlsruhe stehen unter Druck: immer mehr Aufgaben, aber zu wenig Geld und Personal. In Folge 54 sprechen Micha Schlittenhardt und Stadtrat Friedemann Kalmbach (FÜR Karlsruhe) mit Landtagsabgeordnetem Dr. Tim Breitkreuz (CDU) darüber, warum das sogenannte Konnexitätsprinzip („Wer bestellt, bezahlt“) oft nicht eingehalten wird und Städte wie Karlsruhe an ihre Grenzen kommen.
Im Gespräch geht es um die zentrale Frage: Was kann und soll der Staat oder unsere Stadt heute überhaupt noch leisten? Während die Erwartungen steigen, fordert Breitkreuz mehr Eigenverantwortung, einen effizienteren Staat und den Mut, klare Prioritäten zu setzen – auch wenn das unbequeme Entscheidungen bedeutet.
Ein weiterer Fokus: der gesellschaftliche Zusammenhalt. Warum wird der Umgang mit anderen Meinungen schwieriger? Welche Rolle spielen Werte – insbesondere christliche Werte – noch in der Politik? Und wie können wir wieder mehr Miteinander statt Gegeneinander schaffen? Breitkreuz bringt den Blick von außen auf die Lage in Karlsruhe.

Was denkt ihr darüber? Mehr Staat, mehr Eigenverantwortung oder eine neue Balance? Schreibt es uns in die Kommentare!

Transkript

Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Die Lage in Karlsruhe. Heute haben wir einen besonderen Gast da, nämlich nicht aus Karlsruhe, sondern von Außerhalb Tim Breitkreuz, Dr. Tim Breitkreuz. Und es tut auch immer mal wieder gut, die Sicht von außen auf eine Stadt wie Karlsruhe zu haben und was Politik ausmacht. Tim, willst du dich mal kurz vorstellen? Ja, sehr gerne. Tim Breitkreuz. Du hast schon gesagt, ich komme aus dem Hohenloischen, also die andere Seite von Baden Württemberg, bin 31 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder und bin jetzt bei der letzten Wahl am 8. März in den Landtag von Baden WürttemberG gewählt worden, was ich sehr gerne tue. Die Arbeit läuft jetzt an und davor habe ich jetzt im Justizministerium gearbeitet und dafür im Migrationsbereich einige Jahre und freue mich jetzt hier zu sein. Vielen Dank für die Einladung. Herzlich willkommen. Ich habe schon gerade angesprochen, die Herausforderungen für die Stadt Karlsruhe, die sind groß, die sind aber auch im ganzen Ländle groß. Was siehst du so als die Kernherausforderung? Also wenn wir jetzt die Fragen der Kommunen angehen, ist ja ganz Der Staat wird für die Menschen Realität, da wo er am nächsten ist. Und das ist in den Städten und Gemeinden und in den Kommunen. Deswegen ist ganz klar, dass wir auch für die Zukunft schauen müssen, dass unsere Kommunen da, wo die Arbeit fortgeleistet wird, gerüstet sind, dass sie einen handlungsfähigen Staat auch darstellen, dass sie die Leistung erbringen, die die Menschen zu Recht erwarten können. Es gibt aber natürlich auch Themen, wo wir uns fragen mü Ist es noch Aufgabe des Staates, das zu tun? Müssen wir da nicht mehr auf Eigenverantwortung setzen? Aber wir beklagen uns immer darüber, dass wir Aufgaben bekommen vom Land und vom Bund und die werden nicht bezahlt und das bleibt bei der Stadt hängen. Wird es besser? Ich setze mich ganz stark dafür ein und in Stuttgart setzt sich viel dafür ein, weil wir haben ja das sogenannte Konnexitätsprinzip, das ganz klar sagt, wer bestellt, der bezahlt auch. Und viele Aufgaben, die jetzt der Bund möchte oder das Land möchte, die können natürlich nur vor Ort umgesetzt werden. Aber dann ist klar, dass die Finanzierung nicht vor Ort bei den Kommunen stattfinden kann, sondern auf der Ebene, wo entschieden wird, dass man das braucht. Und aus meiner Sicht auch schwierig ist natürlich auch die Frage, mit welchem Personal wird das dann gemacht? Und oft gibt es eine Idee, die wirklich super ist und klasse ist. Dann wird auch der Kommune gesagt, für zwei Jahre habt ihr dann eine Stellenfinanzierung, aber dann läuft die Finanzierung auf und aus und die Frage Bleibt die Aufgabe dann bestehen oder nicht? Bleibt sie rechtlich bestehen? Wollen die Menschen es weiterhin? Das bleibt immer so in der Luft. Deswegen müssen wir ganz dringend wieder dieses Prinzip stärken und dahin zurückkehren, dass diese Finanzierung nicht vor Ort stattfinden kann, wenn der Wunsch von oben kommt. Also Problem erkannt, muss bloß die Umsetzung kommen. Genau, und dafür setze ich mich ein. Jetzt haben wir ja eine neue Chance, eine neue Legislaturperiode. Ich nehme auch ganz stark den starken Willen wahr, die Kommunen zu stärken, einfach weil alle davon überzeugt sind, dass wir da auch anfangen müssen, wenn wir das Vertrauen der Menschen in handlungsfähigen Staat wiedererlangen wollen. Und das ist auch ganz wichtig in Stuttgart. Ich treffe so viele Menschen, die auch in Gemeinderäten aktiv sind, die in Stadträten aktiv sind, ehemalige Bürgermeister oder Landräte. Also dieses kommunale Herz, das schlägt auch ganz stark ins Stuttgart. Sehr schön. Super. Jetzt haben wir ziemlich viele Herausforderungen, also nicht nur was in Ost passiert, sondern auch wirtschaftlicher Natur, manchmal auch im Zusammenhang. Karlsruhe hat die Herausforderung der Finanzen, die hohe Verschuldung. Gleichzeitig kommt dann auch, ich sag mal, so eine Art Depression über einen ziemlich schnell, dass man denkt, wo geht das überhaupt noch hin? Wir haben von der Liste des Grauens gesprochen, das war die Streichliste. Haushalt bringt ja schon auch Unruhe in der Gesellschaft, also im ganzen Land, aber jetzt auch hier in der Stadt, wo verschiedene Bevölkerungsschichten unzufrieden sind. Unzufrieden mit der Verwaltung, unzufrieden mit der Politik, unzufrieden mit Stuttgart, unzufrieden mit der Bundespolitik. Und da mischen sich ja immer mehr Dinge und gehen gegeneinander. Wie kann man da wieder ein Miteinander finden und werteorientiert arbeiten? Oder ist das überhaupt möglich? Was sind da so deine Ansätze? Kann man sowas überhaupt befrieden in dieser jetzigen Lage? Weil das Land ist ja auch herausgefordert finanzieller Natur unbedingt. Und wir müssen auch sagen, wir haben ganz lange auch diese Vollkasko Mentalität gelebt. Der Staat kümmert sich um alles und der Staat ist für alles verantwortlich. Und ich bin davon überzeugt, dass wir auch das Thema Eigenverantwortung wieder stärken müssen, weil es gibt so viele Menschen, die wollen Verantwortung übernehmen bei sich im Verein, am Dorfplatz oder ähnliches. Und es wird dann nicht ermöglicht, weil irgendwelche Regularien dagegen stehen. Und deswegen ist ganz klar, dass wir diese Eigenverantwortung auch staatlicherseits wieder stärken müssen und wollen. Und dann brauchen wir auch einen effizienten Staat, der mit weniger Geld trotzdem viele Aufgaben löst. Und deswegen diese Konflikte, diese Aushandlungsprozesse, die sind ja schon auch normal. Das ist auch der Geist der Demokratie. Wichtig ist aber, dass wir in einem Dialogprozess sind, wo alle auch gehört werden und nicht, ich sage mal, die Schwächsten überhört werden. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Und ich nehme aber auch hier euch so wahr, dass ihr euch gerade auch für diese Stimmen hier in Karlsruhe auch stark macht. Und das ist für uns Basis natürlich. Ich glaube, da müssen wir uns zuerst darum kümmern, dass die Menschen der Basis, also die wirklich wenig haben, dass wir uns um die kümmern, also die nicht selber können, sich nicht selber kümmern können. Aber wir kümmern uns oft auch um Dinge heute, die sind nicht mehr so nötig. Und wir weigern uns, wir haben es vorhin davon gehabt, wir weigern uns Dinge zu streichen, zu sagen, das ist jetzt vorbei oder Standard, auch runterzuschrauben. Wir sind total ängstlich, dass die Bürger uns irgendwie dann nicht mehr mögen. Das scheint mir ein großes Problem in der Demokratie zu sein, dass wir sehr stark von der Meinungsbildung abhängig sind. Und ich bin überzeugt, wir müssen auch wieder mutiger sein, auch für Politik, auch für Älteres umzukrempeln. Ich habe uns ich glaube, wir Deutschen sind wir mögen, das geht mir ja nicht anders, so wie es immer war. Da fühlen wir uns mit wohl. Und manches müssen wir einfach neu machen. Und dann aber auch die Erlaubnis zu haben, dass nicht alles, was wir neu machen, zu 100 Prozent immer schon funktioniert. Also man muss auch mal was ausprobieren können. Im Kleinen zu gucken, ist es der richtige Weg? Und auch neue Ideen reinzubringen. Und deswegen ist es aus meiner Sicht auch ganz wichtig, dass die Politik, egal ob jetzt hier in Karlsruhe, Stuttgart oder Berlin, auch immer offen ist für ganz neue Ideen, über die man bisher noch nicht nachgedacht hat von Bürgerinnen, von Bürger, von Unternehmen, um neue Wege zu gehen. Auch mutig, das mal auszuprobieren, auch mutig unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Man weiß, finanzkräftige Leute hätten jetzt mehr Macht, dem entgegenzutreten. Also wir brauchen auch manchmal Entscheidungen, die schmerzen Und ich glaube, wichtig ist, dass es dann klar ist, dass die Aufgaben dann alle schmerzen. Also in Berlin zum Beispiel ist ja gerade die Diskussion um die Gesundheitsreform und es ist völlig klar und da sind auch alle einer Meinung, dass wir dieses Gesundheitssystem umkrempeln müssen, dass wir ganz viele Maßnahmen angehen müssen und die Schmerzen auch. Was mir aus meiner Sicht sehr wichtig ist, dass es nicht nur eine Gruppe sein darf, die den Schmerz hat, sondern dass alle betroffen sind und alle ihren Teil, ihren Beitrag leisten. Und dann ist es auch tragbar. Und es ist schon auch die Frage als Bürger, als Bürgerin, wie stelle ich mir den Staat überhaupt vor? Mit Staat meine ich auch die Kommune Karlsruhe, meine ich auch Berlin und Stuttgart und Brüssel. Also welche Aufgabe soll der Staat überhaupt noch nehmen? Und jetzt sind wir gezwungen, auch aufgrund der Finanzlage auf allen Ebenen auch wieder neu zu priorisieren. Was ist uns wichtig? Was wollen wir, dass der Staat macht? Und wo sind auch Grenzen dessen, was der Staat machen soll? Und wo bringt es vielleicht auch wieder mehr persönliche Freiheit für mich als Bürger? Cool. Für uns ist natürlich, wir sind eine christliche Partei. Das heißt, wir heißen für Karlsruhe Partei mit christlicher Herzenshaltung. Politik mit christlicher Herzenshaltung. Wir sind eine Wählergruppe. Dankeschön. Diese christliche Herzenshaltung wird heute in der Politik noch spürbar. Ich beobachte so, dass unsere Gesellschaft fällt immer mehr auseinander. Wir haben immer mehr Interessengruppen gegeneinander, gegeneinander ausgerichtet. Das Zusammenfinden auf gemeinsamer Basis. Gibt es überhaupt noch gemeinsame Basis in unserer Gesellschaft? Aus unserer Sicht wären es die christlichen Werte, aber die sind nicht mehr sichtbar. Man weiß von der Vergangenheit, da gab es mal was, aber man spricht ja nicht mehr drüber. Das ist ein Tabuthema. Ist es tatsächlich so, dass die Gesellschaft das nicht mehr hören möchte oder wäre es wieder nötig? Beziehungsweise ich würde es noch kurz ergänzen, das ist ja auch, was immer wieder auch an der CDU bemängelt wird, wo man sagt, es kommt ja nicht mal sogar aus christlichen Reihen, sondern aus anderen Reihen, die sagen, die CDU hat ihr C verloren. Was bedeutet Politik in Zukunft? Oder wenn man Neuentwurf, wie wollen wir Politik leben? Was wären denn die Werte, die wieder leben müssten? Also aus meiner Sicht ganz wichtig ist der Zusammenhalt in der Gesellschaft, aber auch die Möglichkeit, auf andere Meinungen zu hören. Und wir begegnen oder ich begegne immer mehr diesem missverstandenen Toleranzbegriff, wo alles toleriert ist, solange es nicht gegen meine eigene Meinung ist. Wir müssen wieder dahin kommen, als Gesellschaft auch andere Meinungen anzuerkennen. Es gibt natürlich Grenzen, aber man kann nicht alles, nur weil es nicht meine Meinung ist, als illegitim bezeichnen. Und das sehe ich leider immer wieder. Und ich glaube, dass einfach diese Überzeugung, was ja aus der aus dem christlichen Wert, das christliche Menschenbild kommt, das ist für mich auch maßgebend für politische Entscheidungen. Einfach die ü Jeder Mensch ist Gottes Ebenbild, egal ob er meiner Meinung entspricht, ob er ganz anders drauf ist, wo er herkommt, was er tut. Also jeder Mensch hat diesen Wert und deswegen hat jeder Mensch auch erstmal eine Berechtigung, seine Meinung zu sagen und seine Meinung auch zu haben. Und dann kann man auch drüber diskutieren. Ich glaube, das fehlt in unserer Gesellschaft. Das müssen wir wieder ganz dringend stärken. Ich finde es auch schön, dieses Bild, das gibt es heute in manchen Gegenden auch noch, aber früher stärker so am Sonntag gehen alle, das ganze Dorf geht in die Kirche, der ganze Stadtteil geht in die Kirche, egal welcher Hintergrund, egal wer man ist. Und dort sind erstmal alle gleich. Da trifft man sich, da begegnet man sich. Und das wünsche ich mir auch in der politischen Debatte, aber auch gesellschaftlich wieder deutlich stärker. Also im Miteinander, da ist jeder Einzelne verpflichtet, auch in den sozialen Medien, dieses Miteinander wiederzusehen. Genau jetzt auch in Karlsruhe. Wir loben uns ja, der OB macht es immer in jeder Rede, die Vielfalt in Karlsruhe von Anfang an. Und das stimmt auch wirklich. Also hier waren Juden, hier waren was weiß ich, alle Landesteile waren willkommen hier und jetzt haben wir eine Gesellschaft mittlerweile, die ist so plural, da gehen wir halt nicht mehr zusammen in die Kirche. Es gehen ja immer weniger Leute in die Kirche. Also wir haben dieses Verbindende nicht mehr. Und neulich hat mir mal eine grüne Stadträtin gesagt, sie wäre gar nicht gläubig, aber sie sagt, sie macht sich Sorgen darum, dass die christlichen Werte nicht mehr da sind. Das ist ein Dilemma. Wie soll das gelingen? Wäre es dran, dass wir als Politiker ab und zu mal wieder daran erinnern, da gibt es was Basis, auf der wir stehen, Vertragt das die Gesellschaft heute? Können wir das wieder machen? Sollte man das machen? Ein guter Ansatz und aus meiner Sicht dringend erforderlich. Wir haben es ja auch im Grundgesetz in der Präambel, also ganz vorne im Grundgesetz steht im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen gibt das deutsche Volk sich dieses Grundgesetz Also unser ganzes System basiert darauf, dass wir im Bewusstsein leben, im Bewusstsein handeln, auch Politik machen, dass es über uns eine höhere Macht gibt, vor der wir uns auch rechtfertigen müssen. Und für mich ist es ganz klar meine christliche Überzeugung, aber ich finde auch, dass alle anderen, die nicht an den christlichen Gott glauben, trotzdem diesen Wert brauchen für unsere Gesellschaft, auch für unseren Staat, also gerade in der Politik. Und deswegen finde ich auch immer das sehr schön, wenn Minister, Ministerinnen bei der Vereidigung dann so wahr mir Gott helfe und und mich schmerzt das, wenn Minister, Ministerinnen das nicht tun, weil ich finde, damit schwebt immer mit, egal ob ich an Gott glaube oder nicht. Das ist dieses Bewusstsein, dass wir als Menschen nicht hier der höchste Maßstab sind, sondern es gibt noch jemanden drüber. Und das ist ja auch die Lektion aus dem Nationalsozialismus, warum das da vorne drinsteht. Und deswegen ist es auch wichtig, das wieder stärker zu betonen. In der CDU, das ist jetzt nur ein Beispiel. Wir beginnen alle größeren Parteitagen mit dem Gottesdienst. Also es ist freiwillig, aber trotzdem einfach dieses Bewusstsein zu schaffen, warum man eigentlich hier ist, warum wir hier sind. Und es ist nicht nur um Politik geht, sondern auch um die konkreten einzelnen Themen, sondern die größere Dimension sozusagen der Politik mit dem Gefühl der Demut zu begegnen und trotzdem auch Verantwortung für die anderen zu übernehmen. Und du hast vorhin schon gesagt, dass Hinhören zu lernen, wieder aufeinander zu hören, auch wenn man sich nicht gleicher Meinung ist, das haben wir hier im Haus auch immer wieder erlebt, dass man sich zuhört, auch über die Parteigrenzen hinweg. Es gibt aber auch Tage, da hört man sich überhaupt nicht zu. Von daher ist es schon auch ein spannender Wert. Wie schaffen wir das wieder auch in der Medienlandschaft, sich wieder zuzuhören, das mal kurz auszuhalten und dann vielleicht auch gemeinsam Lösungen zu finden oder Kompromisse. Man sagt ja, die SPD wurde vielleicht auch an Kompromiss zerrieben. Wie kann man da trotzdem gesund Politik gestalten, dass man einen gesunden Kompromiss findet, einen gesunden Haushalt findet. Wie findet man den gesunden Haushalt, wenn so viele Meinungen mitmischen und man dann trotzdem irgendwann auch mit verschiedenen Mehrheiten einen Mischmasch aus Angeboten findet, die dann sozusagen ausfinanziert werden müssen, die aber auch je nachdem die Stadt jetzt die Stadt Karlsruhe in finanzielles Loch führt, was dann zur Konsequenz hat, dass wieder Unfrieden herrscht, dadurch, dass plötzlich Dinge gestrichen werden müssen, wo man früher immer versprochen hat, das wird immer bestehen. Ja, das ist jetzt die Krux. Wie kann man das praktisch leben? Also ich glaube einmal Kompromisse sind schmerzhaft, sind oft schmerzhaft. Wichtig ist schon erstmal das gleiche Ziel zu definieren. Wo wollen wir am Ende stehen? Was soll das Ergebnis sein? Ich glaube, wenn man im Ziel schon mal einer Meinung ist, dann findet man auch einen Weg, wie man da zu dem Ziel hingeht. Also ich war jetzt auch bei den Koalitionsverhandlungen in Stuttgart involviert zwischen der CDU, den Grünen und da gibt es Themen, da ist man sich wirklich meilenweile auseinander, also ohne Frage. Und dann schaut man, gibt es einen Weg, wo man zusammenfindet, wo es vielleicht doch Gemeinsamkeiten gibt. Die gibt es mal. Also Gemeinsamkeiten gibt es auf jeden Fall, aber gerade in diesen Konfliktthemen. Und manchmal kommt man auch nicht zueinander. Das ist dann halt am Ende auch in Ordnung, dass man das anerkennt, sondern sind wir unterschiedlicher Meinung und deswegen leben wir auch in der Demokratie mit verschiedenen Parteien und Partnern. Jetzt ganz konkret halte ich auch diese persönliche Ebene immer für sehr wichtig. Also weil wenn die persönliche Ebene stimmt, dann kann man auch sachlich auch mal hart diskutieren und dringend. Und es ist ja auch Wesenskraft unserer Demokratie, dann zu Kompromissen zu kommen. Und es gibt aber natürlich nicht die eine beste Lösung. Also es gibt ja das Zitat, die Demokratie ist die beste Staatsform, die wir haben. Nicht alles ist immer ideal in der Demokratie. Und ich finde auch, dass manche Kompromisse auch mutige Entscheidungen aufweichen und das ist auch nicht immer dann unterm Strich die allerbeste Lösung. Aber wichtig ist, dass natürlich Kompromisse trifft, wo dann auch viele Bevölkerungsgruppen, viele Menschen sich auch mitgenommen fühlen. Könnte es sein, dass wir heute den Menschen zu viel versprechen, dass die Menschen zu viel erwarten von der Politik und dass die Politik eigentlich demütig sein müsste. Und Leute, wir können nicht alle Defizite erfüllen, wir können nicht alle zufriedenstellen. Wir schaffen das gar nicht. Es ist der Staat immer ein bisschen mehr aufgebauscht worden, immer mehr, der Sozialstaat immer mehr Funktion kommt dazu. Müssen wir nicht eher wieder zurückschreiten und okay, wir können gar nicht so viel ein gewisser Rahmen können wir schaffen, aber der Rest ist nicht unseres. Also diese Demut, die eigentlich zutiefst auch christlich ist, wieder zurückzugewinnen. Demut und was auch sehr christlich ist, das Thema Ehrlichkeit. Also auch ehrlich zu sein zu Das ist möglich und das ist nicht möglich. Wir hatten jetzt auch einen intensiven Wahlkampf, fühlt sich auch manchmal an wie ein Kampf jetzt vor der Wahl. Und ich habe immer gesagt, wofür ich eintrete, wofür ich mich stark machen will, habe aber immer dazu auch ich kann nicht versprechen, dass wenn sie mich wählen, dass irgendeine der Sachen, die ich jetzt heute sage, auch eins zu eins so kommen wird. Das geht einfach nicht. Dafür bin ich ein viel zu kleines Licht. Und das gehört auch zur Ehrlichkeit dazu, gerade in der Demokratie. Und ich glaube, dieses Verständnis brauchen wir auch wieder, dass Menschen sich für andere Menschen einsetzen, Menschen sich für Position einsetzen. Aber wenn der Landtag mal zusammengesetzt ist, wenn der Stadtrat mal zusammengesetzt ist, sind da ja die verschiedenen Meinungen auch dann wieder vorhanden und da kann nicht einer mit dem Kopf durch die Wand durchsetzen. Deswegen Demut und Ehrlichkeit und auch wirklich noch mal die Frage auch als Was soll der Staat eigentlich alles machen und was sind eigentlich eben nicht Aufgaben, um jetzt mal konkret zu werden. Also ich glaube, das Thema Sicherheit ist ganz zentrale Aufgabe des Staates. Das Thema Bildung, beste Bildung für Kinder und Jugendliche, das Thema Familien unterstützen und fördern und natürlich auch zu schauen, wie entstehen Arbeitsplätze, Wie können Arbeitsplätze neu geschaffen werden, erhalten werden, damit die Menschen sich versorgen? Das sind aus meiner Sicht jetzt erstmal ein paar. Es gibt natürlich noch mehr Aufgaben, die der Staat als Basis schaffen muss und erledigen muss. Und dann muss man darüber hinaus gucken, was kann man noch regeln. Und das ist meine Überzeugung, Der Staat solle das regeln, was anderweitig nicht geregelt werden kann. Also ja, eine abschließende Frage und dann kommen wir schon zum Ende. Wenn es so einen Prototyp gäbe von Politiker oder jemand, der sich engagieren möchte und du dürftest die Ausschreibung machen, was ständ in dieser Ausschreibung, sich zu engagieren für seine Kommune, für die Stadt, fürs Land, für den Bund? Was muss diese Person erfüllen und warum wäre es gut, sich zu engagieren? Das ist jetzt auch eine sehr kreative Frage, aber gut gestellt. Also ich würde auf jeden Fall sagen, das Thema Herzblut mit dabei muss dabei sein. Also den Wunsch sich zu engagieren für andere und fürs Land. Und ich glaube, das ist auch höchst christlich, wenn man das Neue Testament liest, eigentlich steht er ja überall so runter vom Sofa, raus in die Welt. Und man braucht dieses Herzblut, sie einzubringen, auch zu kämpfen, auch mal zäh zu sein für die Themen. Das ist so das nach vorne, das Gestaltende. Und dann aber auch diese Offenheit allen Menschen gegenüber. Also wir sind ja jetzt landtagsabgeordnet, dann auch Wahlkreise zugeteilt, dass ich einfach ansprechbar bin für die Menschen in meinem Wahlkreis, weil ich deren Stimme in Stuttgart bin und auch alle Stimmen ernst nehme. Man kann natürlich nicht zaubern, ich kann auch nicht zaubern, ich kann nicht jeden Wunsch erfüllen, aber ich kann versuchen, mich einzusetzen. Also diese zwei Eigenschaften sind aus meiner Sicht ganz essentiell. Jetzt müsste ich doch noch mal eins nachschieben. Man sagt manchen Christinnen und Christen eher nach, dass sie zu ruhig sind bzw. Nicht auf den Tisch hauen. Ich gehöre da auch mehr dazu, ich bin mehr so der Diplomat. Aber gleichzeitig hat man auch die Angst vor solchen Entwicklungen, wie man beim christlichen Nationalismus in den USA sieht, wo auf den Tisch gehauen wird, wo man, ich sag mal, auch oft das theologisch sichere Schiff eigentlich schon verlassen hat. Was wäre ein gesunder Umgang in der Politik, wo man nicht auf der einen Seite runterfällt und auch nicht auf der anderen Seite runterfällt und man sozusagen Zustände hat, wo man sagt, das ist jetzt Vermischung von Kirche und Staat in einer ungesunden Weise. Ja, das ist ganz dramatisch, in welche Richtung sich die Führung in den USA auch hin entwickelt. Also einmal ist wirklich, man kann auch deutlich sein, verbunden mit dem respektvollen Umgang, also in der Sache deutlich, aber im Ton trotzdem miteinander und menschlich. Und das geht, das geht auch mit politischen Konkurrenten. Und das ist auch wieder diese christliche Überzeugung, dass jeder Mensch da auch seinen gleichen Wert hat, egal ob er anderer Meinung ist. Das ist ganz wichtig. Und natürlich, wir dürfen auch niemals Kirche und Staat vermischen. Also der Auftrag von Kirche ist ein ganz anderer als der von Staat. Und wenn wir jetzt erwarten, dass der Staat jetzt Aufgaben der Kirche übernimmt und missioniert beispielsweise und alle müssen jetzt sonntags in die Kirche gehen, das ist ja ganz weit weg von, aus meiner Sicht, Politik aus christlicher Überzeugung zu missionieren, ist Aufgabe der Kirche. Und der Staat muss gucken, dass er für alle Menschen gute Lebensbedingungen schafft und ich finde sich in der Politik zu gestalten einzubringen da kann man auch ganz viel Salz für die Erde sein deswegen auch die stark dass ihr euch hier so engagiert in Karlsruhe und auch so viele Mitstreiterinnen Mitstreiter habt ihr einfach sagen jawohl da kann ich was für meine Stadt auch bewegen herzlichen Dank danke für die Zeit und auch für Sie herfahren um mit uns über Karlsruhe zu reden und das Land lasst gerne ein Like da oder Kommentare und wir freuen uns auf die nächste Folge bis dann tschüss.